Die Pflanzen bzw. die Dämonen der Pflanzen können also auch Menschen befruchten. In den Mythen und Erzählungen vieler Völker kehrt der Zug wieder, daß Frauen durch Früchte geschwängert worden sind, also durch die Dämonen der Pflanzen, die sich in den Früchten aufhielten, befruchtet worden sind; so entstand nach der griechischen Sage Attis: die Tochter des Flußgottes Sangarios wurde durch eine Mandel, die sie in den Busen steckte, befruchtet (Paus VII, 17, 9). Nach anderer Überlieferung war es ein Granatapfel, der jene Nana befruchtete (Arnob. adv. nat.. V, 3). In der apokryphischen Legende gebar Abrahams Tochter durch den Genuß eines Apfels den Phanuel. In hawaischen  Erzählungen wurden Göttinnen durch Bananen unter ihren Kleidern befruchtet. Der Dämon der Pflanze befruchtet aber die Frauen nicht bloß von innen, indem die Frauen ihn durch den Genuß der Frucht in sich aufnehmen, auch die bloße Berührung genügt. So gebar Hera, ohne männliche Zeugung, nur durch Berührung mit einer Pflanze, den starken Gott Ares (Paus. X, 38, r).

Und die Rute, Gerte (Lebensrute) gewisser Bäume machte die germanischen Frauen fruchtbar. In dieser abgeschnittenen Rute erblickte man das Symbol des Penis, des männlichen Geschlechtsteiles, des Dämons der Pflanze, das die Frauen an ihren Geschlechtsteil berührte, seine Kraft dahin übergehen ließ und sie so fruchtbar machte. Das Volk ahnte instinktiv das Richtige: durch das Schlagen, Fitzeln, Kindeln mit den Ruten auf jene zarten Teile wurde das Gefühl, der Geschlechtstrieb hochgradig erregt, der dann den. nachfolgenden ehelichen Beischlaf äußerst günstig und erfolgreich gestaltete. Gewisse Bäume wie kleinere Pflanzen (sogenannte Garten- = Gartenkräuter, vor allem der Beifuß) lieferten die Lebensrute, siehe Einleitung Waldbäume.

Aber auch das umgekehrte Verhältnis findet statt. Der Mensch kann die Pflanzen befruchten, menschliche Fruchtbarkeit kann auf die Pflanzen übertragen werden. Wenn Naturvölker, wie die auf den Uliaseinseln oder in Ambon das Zeichen der vulva (das bekannte Rhombos mit dem Strich oder Punkt in der Mitte) auf ihre Fruchtbäume einritzen, so übertragen sie damit die Fruchtbarkeit ihrer Weiber auch auf ihre Bäume. Noch heutigen Tages sehen wir unsere Kulturvölker dieses Vulvazeichen mit Vorliebe in die Rinde der Bäume einschneiden, freilich wissen sie nichts mehr von dem ursprünglichen Sinn dieses Tuns. Sie lassen vielmehr schwangere Frauen die zum ersten Mal tragenden Fruchtbäume umarmen oder lassen kinderreiche Frauen die Fruchtbäume im Frühjahr umspannen, daß diese fruchtbar werden. Siehe Einleitung Obstbäume. —

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